Auktionen Münzhandlung Sonntag

Auction 41  –  2 - 3 July 2024

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Auktionen Münzhandlung Sonntag, Auction 41

Ancient, German and World Coins and Medals

Tu, 02.07.2024, from 2:00 PM CEST
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Mo, 01.07.2024, until 5:00 PM CEST

Description

Nürnberg. Porträtmedaillen von der Renaissance bis zum Klassizismus.

Dedikationsmedaille der Stadt Nürnberg für Kaiser Karl V. 1521 von Hans Kraft (auch Krafft) nach einem Entwurf von Albrecht Dürer. In einem vertieften Mittelfeld das sehr erhaben geprägte, jugendliche Brustbild des Kaisers mit Bügelkrone und Harnisch nach rechts. Der jugendliche Kaiser ist bartlos und trägt auf der Brust die Kollane vom Orden des Goldenen Vlieses. Die Umschrift lautet: CAROLVS:RO(MANORVM):IMPER(ATOR): Der leere Bildhintergrund und der Harnisch sind mit fein gravierten Blattranken verziert. Das Bildnis umgibt ein erhöhter Kranz mit 14 bekrönten Wappen seiner Besitzungen: Kastilien, Aragón, León, Katalonien, den beiden Sizilien (Festland und Insel), Neapel, Jerusalem, Andalusien, Neu-Kastilien, Galizien, Valencia, Toledo, Granada und Navarra. Zwischen den oberen beiden Wappen ist ein Spruchband mit der Devise des Kaisers PLVS VLTRA eingefügt, dass die beiden Säulen des Herkules, Symbol vom Ende der Welt bzw. Gibraltar, umschlingt. Die Devise formuliert die Absicht Karls, das spanische Königreich seine Herrschaft über die bisherigen Grenzen hinaus auszudehnen (Philippinen und Amerika) / Die Rückseite der Medaille hat ebenfalls ein vertieftes Mittelfeld, das der doppelköpfige, nimbierte Reichsadler mit dem gespaltenen Brustschild Österreich und Burgund einnimmt. Zwischen den Flügeln ist die geteilte Jahreszahl angebracht. Wie auf der Vorderseite ist diese Bildmitte von einem erhöhten Wappenkranz umschlossen und zeigt unten ein großes N für Nürnberg. Die 13 gekrönten Wappenschilde stehen für: Sardinien, Córdoba, Korsika, Murcia, Jaén, Algarve, Algeciras, Mazarrón, ein leeres Schild der Terrae occidentales (Amerika), Menorca, Mallorca, den Kanarischen Inseln und Gibraltar. Der ursprünglich glatte Rand wurde mit einer einzigen Punze schuppenförmig verziert. Diese händisch eingeschlagene Punzierung ohne jegliche Überlappung ist ein Meisterwerk der Silberschmiedekunst. Imhof II (1782) S. 7, Nr. 6, Domanig (1907) Nr. 39, Bernhart (1919) Nr. 62, Habich (1929) Nr. 18, Abb. 10, Mende ("Dürermedaillen", 1983) Nr. 13, Typ B, Hermann Maué ("Die Dedikationsmedaille der Stadt Nürnberg für Kaiser Karl V. von 1521") in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums (1987) S. 227-244, Stephen Scher ("The Currency of Fame", 1994) Nr. 77, Heinz Winter ("Glanz des Hauses Habsburg, 2009) Nr. 16, Fischer-Maué (2014) Nr. 2. 71 mm, 151,80 g. Sicher die bedeutendste deutsche Renaissancemedaille von höchster künstlerischer wie technischer Perfektion. Auf vorgegossenem Schrötling geprägt und wohl in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts durch feine Gravuren auf dem Avers und durch Punzierung des Randes zu einem einzigartigen Kunstwerk veredelt. vorzügliches Kabinettstück mit feiner Patina Die nachfolgend aufgeführten Medaillen stammen aus dem Besitz einer in Nürnberg alteingesessenen Familie, deren Genealogie fünf Jahrhunderte zurück reicht. Aus dem gleichen Besitz haben wir in den letzten 10 Jahren die Münzen der Familie in mehreren Partien erfolgreich versteigern dürfen. Auch dabei waren zahlreiche Gold- und Silbermünzen von großer Seltenheit und feinster Erhaltung. Hervorzuheben ist etwa der 6-fache Lammdukaten von 1703, der in diesem Gewicht völlig unbekannt war (Auktion 25, AMS, Nr. 861) oder die Klippe vom Reichsguldiner 1563 (Auktion 30, AMS, Nr. 909). Keine dieser Münzen und keine der vorliegenden Medaillen waren zuvor in einer Versteigerung am Markt gewesen. Insbesondere für die Sammler von Renaissancemedaillen ist dies sicher eine einzigartige Gelegenheit zum Erwerb originaler Gussmedaillen verschiedener Künstler. Der Reichtum der Reichsstadt Nürnberg, vor allem im 16. Jahrhundert, spiegelt sich im Wohlstand, Selbstbewusstsein und Kunstsinnigkeit des Nürnberger Patriziats. Bürgerliche Familien wurden neben dem weltlichen und geistlichen Adel zu Auftraggebern von darstellenden Künstlern, wie Albrecht Dürer, Hans Krafft, Matthes Gebel, Hans Daucher, Joachim Deschler, Valentin Maler und anderen. Im Januar 1519 war Kaiser Maximilian I. überraschend in Wels verstorben. Da sein Sohn Philipp der Schöne schon 1506 starb, wurde sein Enkel Karl V. im Juni 1519 von den sieben Kurfürsten in Frankfurt/M. zum Kaiser gewählt. Schon in der von Kaiser Karl IV. 1356 verabschiedeten Goldenen Bulle wurde das Vorrecht Nürnbergs festgeschrieben, in seinen Stadtmauern jeweils den ersten Reichstag eines neugewählten Kaisers durchführen zu dürfen. Die Kaiserkrönung war auf den 22. Oktober 1520 in Aachen festgesetzt worden, so dass Nürnberg mit dem Besuch des Kaisers Anfang 1521 rechnen konnte. Wie bislang üblich, wollte die Stadt dem neuen Kaiser ein repräsentatives Geschenk überreichen. In der Vergangenheit hatte man dazu einen Pokal aus vergoldetem Silber und mit 2.000 Goldgulden gefüllt übergeben. Dieses Mal jedoch sollte es ein außergewöhnliches Geschenk sein, das sowohl künstlerischen Geschmack als auch technisches Geschick Nürnberger Handwerkskunst widerspiegeln und die Stadt zugleich über andere Städte erheben sollte. Die Idee für die Fertigung einer speziellen Dedikations- medaille mag durch französische Beispiele angeregt worden sein, zu nennen sind etwa Medaillen der Stadt Lyon von 1494 für das Herrscherpaar Karl VIII. und Anne de Bretagne und von Tours für Ludwig XII. im Jahre 1500. Der Rat der Stadt beauftragte den wohl bekanntesten Künstler seiner Zeit, Albrecht Dürer, mit dem zeichnerischen Entwurf und Hans Krafft den Älteren mit deren Herstellung. Albrecht Dürer wurde von seinem Mäzen, dem Nürnberger Humanisten Willibald Pirckheimer, dabei beraten. Hans Krafft wollte eine für ihre Zeit sensationelle Silbermedaille mit einem Durchmesser von über 70 mm und hohem Relief nicht im bislang üblichen Gussverfahren, sondern als Prägung mit Eisenstempeln fertigen. Dies stellte für den Medailleur und Stempelschneider, der von 1481 bis 1542 lebte, eine riesige Herausforderung dar. Er bediente sich hierfür Erfahrungen, die der italienische Renaissancekünstler Benvenuto Cellini gemacht und in seiner Abhandlung über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei publiziert hatte. Um den Prägedruck der Stempel zu reduzieren wurde der Schrötling vorgegossen und erhitzt. Zudem wurde ein jeweils zweiteiliges Stempelpaar, das miteinander fest verbunden war, benützt: zum einen für die Bildmitte (Büste/Adler) und zum anderen für die erhabenen Wappenkränze. Dieses Verfahren mit zweiteiligen Stempeln hatte in Nürnberg Leonhard Danner schon für die Prägung seiner hölzernen Brettsteine und einer von ihm konstruierten Schraubenpresse verwendet. Hans Krafft prägte 167 Exemplare der Dedikationsmedaille, wie erhaltene Ratsabrechnungen belegen, musste jedoch nochmals einen zweiten Rückseitenstempel herstellen, da trotz aller Vorsicht der erste zerbrach. Während von dem ersten Stempelpaar Exemplare mit einem Gewicht von über 200 g geprägt worden waren, reduzierte man das Gewicht (d.h. die Stärke der Schrötlinge) auf 150 bis 180 g. Einhundert Exemplare wollte man dem Kaiser schenken. Im August 1520 entschied Karl V. aber wegen der in Nürnberg immer wieder auftretenden Seuchen nicht im Frühjahr 1521 nach Nürnberg zu kommen und verlegte den Reichstag überraschend nach Worms. Es kam also nicht zu der Übergabe des kaiserlichen Geschenkes und 1537 ließ die Stadt einen großen Teil der Medaillen einschmelzen. Wahrscheinlich wurde das Silber zur Ausprägung der ersten Großsilbermünzen (Reichsguldiner) verwendet. Nach einem Verzeichnis der im Rathaus verwahrten Gegenstände aus dem Jahre 1613 waren dort noch 24 Medaillen und die Prägestempel vorhanden. Im 19. Jahrhundert kamen die Stempel nach München, wo sie bei einem Versuch, diese berühmte Medaille noch einmal nachzuprägen, zersprangen. Nach heutigem Wissensstand sind 10 Exemplare dieser Dedikationsmedaille in Museumsbesitz bekannt (Coburg, Gotha, London, Luxemburg, Madrid, München, Nürnberg (2), St. Paul im Lavanttal sowie Wien. Die Anzahl privater Besitzer dürfte 5 nicht überschreiten. Nun noch eine Bemerkung zu der Verzierung der vorliegenden Medaille, die noch nie vorher in einer Auktion war, durch Gravierung und Punzierung des Randes. Diese Veredelung wurde sicher nicht 1520/21 vorgenommen, sondern stammt meiner Überzeugung nach aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der künstlerische Geschmack des gebildeten Bürgertums hatte sich von der eher strengen Renaissance zum Manierismus gewandelt. Eines der Merkmale des sich nach 1550 ausbreitenden Kunststils war der sogenannte "horror vacui" - leere Flächen galt es zu vermeiden bzw. zu verzieren. Eine Parallele zu unserer Medaille sehe ich in der Silbergussmedaille o.J. von Peter Flötner auf Kaiser Karl V. und Ferdinand I. (Scher 124). Auf der Rückseite ist ihre Schwester Maria von Ungarn mit ihrem Brustbild dargestellt. Gleich mehrere Exemplare zeigen ganz ähnliche Gravuren in den Feldern des Hintergrunds. Dasselbe gilt für eine Medaille auf König Ludwig II. von Ungarn. Um uns abzusichern, wurde unser Exemplar den zuständigen Experten des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg zur Prüfung vorgelegt und am 4.4.2023 eine Röntgenfluoreszenzanalyse (mRFA) mit den beiden im Besitz des Museums befindlichen Exemplaren vorgenommen, um die Spurenelemente des Silbers zu vergleichen. Unser Exemplar weist die nahezu identische Zusammensetzung auf wie das Exemplar aus dem Besitz der Familie Kress zu Kressenstein. Diese Familie gehört zu den ältesten Patriziergeschlechtern Nürnbergs. Berühmt ist vor allem Christoph Kress zu Kressenstein, der als Vorderster Losunger zu den Mitunterzeichnern der Confessio Augustana auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 zählt. Stefan Sonntag

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