Auktionen Münzhandlung Sonntag

Auction 32

This auction offers live bidding  |  Sign up now
Auktionen Münzhandlung Sonntag, Auction 32

Ancient, German and World Coins and Medals

Part 1: Mo, 06.07.2020, from 01:00 PM CEST
Part 2: Tu, 07.07.2020, from 10:00 AM CEST
Pre bids are accepted until:
Part 1: Su, 05.07.2020, until 05:00 PM CEST
Part 2: Su, 05.07.2020, until 05:00 PM CEST
Due to the current pandemic situation we will conduct our auction 32 on July 6th and 7th without public floor!

Description

Sachsen-Albertinische Linie. August 1553-1586
Silberne Dreifaltigkeitsmedaille 1566 von Hans Reinhart dem Älteren. Die lateinische Umschrift PROPTER SCELVS POPVLI MEI - PERCVSSI EVM ESIÆ LIII ist dem Buch des Propheten Jesaia, Kapitel 53 Vers 5 entnommen und lautet in der lutherischen Übersetzung sinngemäß: Er ist um der Missetat meines Volkes Willen geschlagen worden. Der gekrönte Gottvater thront auf einem ornamental reich verziertem "Gnadenstuhl" mit einem um die Schulter gelegten, kostbar gestickten Krönungs­mantel. Die Hände tragen die Insignien Zepter und Weltkugel und halten gleichzeitig den Querbalken des vor Gottvater stehendes Kruzifixes. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes sitzt mittig zwischen ihnen. Zu den Seiten des Gnadenstuhls mit zwei Thronstützen stehen zwei Engel auf Wolkenbändern, die Hände adorierend gefaltet. In das Feld sind zu beiden Seiten unterschiedlich große Cherubimköpfe gesetzt. (Diese Beschreibung haben wir von Wolfgang Steguweit wörtlich übernommen - sie ist nicht zu übertreffen). Auf die zweiseitig gegossene Grundplatte wurden von Reinhart einzelne, separat gegossene Teile, wie offensichtlich das Kruzifix, die Taube des Heiligen Geistes, das Zepter und die Haar- und Bartlocken Gottvaters kunstvoll gelötet. Wahrscheinlich trifft dies ebenfalls auf die beiden Engel, die beiden Säulen (des Herkules, die Anfang und Ende der Welt symbolisieren) und die Cherubimköpfe zu. Auf der runden Bodenplatte wurden links und rechts des Kruzifixes zwei Punzen eingeschlagen: "L" für Lipsiae und "HR" (in Ligatur) für Hans Reinhart. Um das innere Medaillon, das einen Durchmesser von 103 mm aufweist, ist ein Blüten- und Früchtekranz gelegt, der die stark plastische Darstellung noch besser zur Geltung bringt. / .REGNANTE.D.AVGVSTO.D:G:DVCE. SAXONIAE, zc: GROSSVM - HVNC.LIPSIÆ.HR (HR kursiv in Ligatur):CVDEBAT:ANo. - .M.D.LXVI.MENSE.IANV: (= Als August, durch Gottes Gnaden als Herzog von Sachsen regierte, hat HR diesen Grossus [= Schaustück] in Leipzig im Januar des Jahres 1566 hergestellt). Zwei Engel mit hohem Relief halten eine Tafel mit dem athanasianischen Glaubensbekenntnis in 22 Zeilen. Darüber ist das zweigeteilte, sächsische Kurschild gesetzt. Habich - vgl. 1962-1966 (von 1544, 1556, 1561 und 1569), Domanig - vgl. 758 (von 1544), Currency of Fame - vgl. 127 (von 1544), Volz/Jokisch - Emblems of Eminence Nr. 85, S. 208-211 (von 1544). 116 mm, 328,63 g
von größter Seltenheit - vermutlich das einzige erhaltene Exemplar, herausragender Originalguss
mit feiner Patina von musealer Bedeutung und perfekter Erhaltung, vorzüglich/gussfrisch

Erworben 1982 im Kunsthandel in Monte Carlo aus dem Besitz der Fürsten Odescalchi (stadtrömische Adelsfamilie, aus der Papst Innocenz XI. [1676-1689] stammte und die zum europäischen Hochadel zählt). Exemplar der Slg. Joachim Zeitz, Bad Homburg. Hans Reinhart der Ältere wurde um 1510 in Dresden (oder Torgau) geboren. 1539 ist er als Bürger von Leipzig schriftlich belegt und lebte bis zu seinem Tode 1581 zumeist dort. Zunächst als Holzbildhauer tätig, etwa bei Schlossbauten in Halle und Torgau, erwarb er nach fünfjähriger Lehrzeit 1547 auch den Meisterbrief der Gold- und Silberschmiede in Leipzig. Schon 1544 schuf er, unter der Regierung von Herzog Moritz, erstmals sein Meisterstück: die Dreifaltigkeitsmedaille. Den Auftrag erhielt er mit großer Sicherheit von Herzog Moritz, der vor Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges (1546/47) bemüht war, zwischen der katholischen und der protestantischen Konfession zu vermitteln. Die Trinität, also die Einheit von Gottvater, seinem Sohn Jesu und dem Heiligen Geist war die gemeinsame Grundlage der christlichen Religion. Athanasius (295-373), einer der vier Kirchenväter der griechischen Kirche, war der theologische Begründer dieser Dreieinigkeit. Man geht heute davon aus, dass Herzog Moritz diese Medaille (auch Moritzpfennig genannt) an befreundete Fürsten verschenkte. Nach Wolfgang Steguweit geht die Darstellung der Vorderseite auf einen Holzschnitt des Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahre 1512, dem Gnadenstuhl an der inneren Nordwand der Annenkirche in Annaberg von den Steinbildhauern Hans Witten und Franz Maidburg (etwa 1520 bis 1525) und auf den Gnadenstuhl am Portal der Nordseite der Schlosskirche in Chemnitz zurück. Wie kein anderer Künstler der deutschen Renaissance verband Hans Reinhart die zeichnerische Raumgestaltung in der Fläche mit völlig innovativer Kleinplastik, die gerade diese Arbeit in eine dritte Dimension führt, indem er einzelne Teile separat gegossen, modelliert und angelötet hat. In seinem zuletzt zu diesem Thema in der Münzen Revue (12/2012) publizierten Aufsatz "Ein Höhepunkt in der Medaillenkunst der deutschen Renaissance - Die Dreifaltigkeitsmedaille von Hans Reinhart d.Ä." (S. 141-147) geht Steguweit von etwa 15 heute noch existierenden Exemplaren der ersten Version von 1544 aus, von denen sich 10 Exemplare in Museumsbesitz befinden. Zuletzt wurde im Januar 2019 bei Künker in Berlin ein Exemplar versteigert und erzielte einen Zuschlag von 70.000.- € (Auktion 316, Nr. 369). Davor versteigerte die Münzen und Medaillen AG Basel im Juni 2000 ein qualitätvolles Original mit einem Zuschlag von 110.000 CHF (Auktion 90, Nr. 470). Dieses Exemplar gelangte über die Slg. Stephen Scher in die Frick Collection, New York. Ein ganz ähnliches Exemplar, ebenfalls mit Blüten- und Früchtekranz von 1568, wurde in der 200. Jubiläumsauktion der Münzhandlung Gerhard Hirsch Nachf. unter Nr. 146 am 23. September 1998 in München versteigert (das Titelstück der Auktion). Wie unser Medaillon wies dieses die identischen Applikationen und auch die Signaturpunzen "L" und "HR" (in Ligatur) auf der Vorderseite auf, fand aber sowohl bei Steguweit wie bei Künker keinerlei Berücksichtigung. Steguweit verweist zurecht auf die unterschiedliche Ausarbeitung des Kruzifixes. Der Corpus Christi ist teils kleiner und eher plump, teils größer und feiner modelliert. Unser vorliegendes Exemplar entstand 1566 unter der Regierungszeit des Kurfürsten August, dem jüngeren Bruder von Herzog Moritz. Entgegen der Annahme von Steguweit bin ich überzeugt, dass dieses Meisterwerk ebenfalls aus der Hand Reinharts d.Ä. stammt und dieser auch nach 1544 weiter als Medailleur tätig war. Mit sehr viel feiner und subtiler modellierten Applikationen entwickelte er sein Werk von 1544 weiter. Das der Grundplatte zu Grunde liegende, vermutlich aus Holz geschnittene Gussmodell hatte er ja zur Verfügung. Die Applikationen auf der Vorderseite, wie die beiden betenden Engel und die Cherubime, wurden hierfür neu geschaffen - sie sind etwas kleiner, dafür feiner gearbeitet. Sehr deutlich wird diese Neubearbeitung durch den Künstler an dem aufgelöteten Kruzifix. Der Querbalken des Kreuzes ist (teilweise vom Kopf verdeckt) mit "INRI" beschriftet und mit zwei Lorbeerzweigen geschmückt. Der Kopf ist deutlich nach oben gewandt und blickt den Betrachter an. Die Bauchdecke ist stark nach vorne gewölbt und die muskulären Strukturen der Arme und Beine sind stark betont. Die beiden Kniescheiben sind deutlich erkennbar. Im Gegensatz zu dem im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg verwahrten Exemplar von 1566 ist das vorliegende auf beiden Seiten mit den Initialen des Künstlers signiert. Wie dieses und das Medaillon von 1569 im Victoria and Albert Museum in London wurde unser Stück von einem Kranz aus Blüten und Früchten umlegt. Auf der Rückseite musste Reinhart nur die Umschrift abändern und das herzogliche Wappen mit dem kurfürstlichen tauschen. Auftraggeber dieser Arbeit war nun der Kurfürst August von Sachsen, der im Jahre 1560 die Kunstkammer in Dresden begründete, die wegen ihrer malachitgrünen Verkleidung später "Grünes Gewölbe" genannt wurde. Er war also ein Liebhaber und Sammler exquisiter Gold- und Silberschmiedekunst. Mit Sicherheit kannte er Reinharts Arbeit von 1544, die sein Bruder Moritz in Auftrag gegeben hatte. August, der sich zeitlebens gerne Augustus nennen ließ, war zwar Führer der protestantischen Landstände, zum anderen war er jedoch auch erfolgreich um einen Ausgleich mit dem katholischen Kaiserhaus bemüht. Schließlich hatte er große Teile seiner Jugend und Erziehung am habsburgischen Hof in Innsbruck verbracht und war mit dem späteren Kaiser Maximilian II. seit dieser Zeit freundschaftlich verbunden. Dass er also Hans Reinhart den Auftrag gab, diese programmatische Medaille von 1544 nochmals neu zu bearbeiten, erscheint in diesem Zusammenhang folgerichtig.
Stefan Sonntag

Question about this lot?

Bidding

Starting price 45'000 EUR
Estimate 50'000 EUR
Place a pre bid  (31 days left)
Bid live
Feedback / Support